Wie Menschen ihre Bewegungen umplanen

Die American Psychological Association hat die Forschungsarbeit eines Teams des Exzellenzclusters CITEC geehrt. Die Studie entstand in der Forschungsgruppe Neurokognition und Bewegung. Die Erkenntnisse aus der Studie können Rehabilitationspatienten helfen, Greifbewegungen wieder zu erlernen. Sie können zudem in der Entwicklung technischer Greifsysteme eingesetzt werden.

„Jetzt eine Tasse Kaffee“: Um an das begehrte Ziel zu kommen, müssen mehrere Handlungen in der richtigen Reihenfolge ausgeführt werden. Wird aber beispielsweise die Tasse zu heiß, muss die aktuelle Bewegung schnell umgeplant werden, um die Hand nicht zu verbrühen. Oder der Kaffeefreund ist mit seinen Gedanken ganz woanders – er hält zum Beispiel eine Rede, während er nach der Tasse greift. „Umplanungsprozesse und Überlagerungsprozesse wie diese sind bisher kaum erforscht“, sagt Professor Dr. Thomas Schack, Leiter der Forschungsgruppe Neurokognition und Bewegung.

Deswegen untersuchte Schack zusammen mit seinen Mitarbeitern Marnie Ann Spiegel und Dr. Dirk Koester, welche Rolle das Arbeitsgedächtnis beim Greifen und beim Umplanen einer Greifbewegung spielt. In ihrer Studie fanden sie heraus, dass die alleinige Ausführung einer Greifbewegung das räumliche, aber nicht das verbale Arbeitsgedächtnis beansprucht. Dagegen benötigt das Umplanen einer Greifbewegung sowohl das räumliche als auch das verbale Arbeitsgedächtnis. „Das bedeutet, dass die Anpassung unserer aktuellen Handlungen nicht nur unser momentanes räumliches Vorstellungsvermögen stören kann“, sagt Schack. "Denn dadurch, dass auch das verbale Arbeitsgedächtnis beansprucht ist, können zum Beispiel sprachliche geistige Vorgänge gestört werden. Wer eine Rede hält und dann beim Griff zur Kaffeetasse umplanen muss, könnte etwa beim Reden ins Stocken geraten.“

Die American Psychological Association (APA) hat die Bielefelder Forschungsarbeit aus einer ihrer sechs Fachzeitschriften ausgewählt. Sie würdigt die Studie in ihrer jüngsten Ausgabe des Magazins PeePs (Particularly Exciting Experiments in Psychology) als besonders herausragend.

Weitere Informationen im Internet:
http://paracom.paramountcommunication.com/hostedemail/email.htm?h=e76ed8...

Originalveröffentlichung:
Marnie Ann Spiegel, Dirk Koester, Thomas Schack: The Functional Role of Working Memory in the (Re-)Planning and Execution of Grasping Movements, Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, http://on.apa.org/1hCrKoC, erschienen im Oktober 2013.

Kontakt:
Dr. Dirk Koester, Universität Bielefeld
Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC)
Telefon: 0521 106-2420
E-Mail: dirk.koester@uni-bielefeld.de