Wie der menschliche Körper die Wahrnehmung von Sprache beeinflusst

ZiF-Workshop: Wissenschaftler diskutieren vom 25. bis 27. August

„Embodiment“, wörtlich „Verkörperung“, und „Situatedness“ („Situiertheit in der unmittelbaren Umgebung“) sind zentrale Begriffe in der Kognitionswissenschaft und in der Sprachverarbeitung: Körper und Geist werden als Einheit gesehen und es wird ein enges Zusammenspiel von kognitiven Prozessen wie Sprachverarbeitung und Informationen aus der direkten visuellen Umgebung angenommen. Ein Workshop am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) an der Universität Bielefeld beschäftigt sich von Donnerstag bis Samstag, 25. bis 27. August, mit der Frage, wie Embodiment, Situiertheit von Kognition und die Verarbeitung von Sprache zusammenhängen. Der Titel des Workshops: „Embodied and situated language processing“

In dem Workshop wird davon ausgegangen, dass sich das Bewusstsein eines Menschen und sein Körper gegenseitig beeinflussen, wenn es um die Wahrnehmung der Umwelt geht, und dass ebenso die Umwelt eine wichtige Rolle dabei spielt, wie der Mensch spricht und Sprache versteht.

Um das Konzept von Embodiment zu erläutern, eignet sich ein Gedankenexperiment: Könnte man das Bewusstsein des Menschen in einen Frosch oder aber einen Roboter einpflanzen , so würde sich durch den Wechsel des Körpers jeweils auch das Bewusstsein des betroffenen Individuums verändern. Aus der sprichwörtlichen Froschperspektive sieht die Welt ganz anders aus. Hier wird das Wechselspiel zwischen Körper und Geist besonders deutlich: Die Eigenschaften eines Körpers begrenzen die Wahrnehmung und ermöglichen zugleich eine bestimmte Wahrnehmung der Umwelt. Das Konzept der Situiertheit von Kognition lässt sich mit dem folgenden Beispiel veranschaulichen: Was ein Detektiv macht, ist allgemein bekannt. Er spioniert und deckt Verbrechen auf. Aber um zu wissen, ob ein bestimmter Detektiv in genau diesem Moment spioniert oder nicht, reicht dieses Wissen alleine nicht aus – dabei kann es helfen, sich in die unmittelbare Situation zu begeben. Denn wenn man den Detektiv sieht, wird sofort klar, was er gerade macht – ob er spioniert oder einer anderen Tätigkeit nachgeht.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versuchen in dem Workshop am ZiF mehrere Forschungsansätze zusammenzuführen: Embodiment als Wechselspiel von Wahrnehmung und motorischen Prozessen, das „situierte“ Sprachverstehen, also die Verarbeitung von visuellen Informationen, Weltwissen und sprachlichen Äußerungen, sowie innovative Trends in den Kognitionswissenschaften: darunter sind Emotion und Sprache, Synästhesie (die Kopplung beispielsweise von Farbwahrnehmung und Fühlen), soziale Kognition und Sprache und außerdem die Computermodellierung von Sprachverarbeitung.

Die Verbindung dieser Forschungsfelder ist recht neu. Sie soll unter anderem Antwort geben auf die Fragen danach, wie weitreichend Embodiment in der Sprachverarbeitung ist und wie sich im Bereich Embodiment, Situiertheit und Sprachverarbeitung Hypothesen für künftige Studien entwickeln lassen.

Die Tagungssprache ist Englisch.

Tagungszeiten:
25. August, 12.50 Uhr bis 18.30 Uhr
26. August, 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr
27. August, 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr

Weitere Informationen im Internet:
www.uni-bielefeld.de/ZIF/AG/2011/08-25-Knoeferle.html

Kontakt:
Juniorprofessorin Dr. Pia Knoeferle, Universität Bielefeld
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Center of Excellence – Cognitive Interaction Technology CITEC
Telefon: 0521 106- 12250
E-Mail: knoeferl@cit-ec.uni-bielefeld.de

Tagungsbüro des ZiF:
Trixi Valentin, Universität Bielefeld
Telefon: 0521 106-2769
Fax: 0521 106-6024
E-Mail: trixi.valentin@uni-bielefeld.de