Schachgroßmeister diskutiert mit CITEC-Schachforschern

Isländer Héðinn Steingrímsson kommt für Workshop zum Exzellenzcluster der Universität Bielefeld

CITEC-Forschende untersuchen in dem Projekt "Ceege", welche Fähigkeiten ein Schachspieler braucht, um zu gewinnen. Dafür vergleichen sie, wie sich Profis und Laien in Taktik, Verhalten und Körpersprache unterscheiden. Der Schachgroßmeister Héðinn Steingrímsson aus Island ist zu Gast am Exzellenzcluster CITEC der Universität Bielefeld, um mit den Wissenschaftlern über bisherige Ergebnisse zu diskutieren.

Der Schachgroßmeister Héðinn Steingrímsson tauscht sich mit Wissenschaftlern des Projekts Ceege aus, für das CITEC- Forschende mit Kollegen in Frankreich kooperieren. Foto: Ómar Óskarsson Steingrímsson ist einer der 400 weltweit besten Schachspieler und und gehört als „FIDE Senior Trainer“ zu den Toptrainern des Internationalen Schachverbandes FIDE. Er ist zudem Experte für Schachsoftware und Künstliche Intelligenz. In dem Workshop am 23. und 24. Mai hält er einen Vortrag über Schachsport, Schachtrainingsmethoden und -software. 

An dem Workshop nehmen ca. 20 Forschende aus Psychologie, Sportwissenschaft und Informatik teil. Ausrichter des Workshops ist die Forschungsgruppe Neurokognition und Bewegung – Biomechanik, geleitet von Professor Dr. Thomas Schack.

Für das Forschungsprojekt „Ceege“ kooperiert Schacks Forschungsgruppe mit dem Forschungsinstitut INRIA Grenoble Rhônes-Alpes in Frankreich. Die Wissenschaftler arbeiten unter anderem an einer automatischen Erkennung von optimalen Spielzügen, die die Wahrscheinlichkeit zu siegen erhöhen. 

Das Projektziel besteht darin, zu untersuchen, wie sich die Problemlösungs- und Aufmerksamkeitsprozesse von Schachanfängern und von Schachexperten in realen Spielsituationen unterscheiden. Die Forscher untersuchen nicht nur die Spieltaktiken, sondern auch die soziale Interaktionen zwischen zwei Schachspielern. Dafür erfassen sie Blickbewegungen (Eye-Tracking), Gesichtsausdrücke und Körpersprache. Sie analysieren, wie Spielzüge im Langzeitgedächtnis gespeichert sind. Und sie messen physiologische Reaktionen – zum Beispiel Herzfrequenz, Durchblutung und Hautleitfähigkeit –  in unterschiedlichen emotionalen Situationen wie Zufriedenheit, Unzufriedenheit, Furcht und Erregung.

Die Ergebnisse aus diesen Studien können dazu benutzt werden, zuverlässige Vorhersagen über die Spielstärke einzelner Spieler, die Ausgänge von Schachpartien und einzelne Schachzüge zu treffen. Das Ziel dieses Projektes ist die Umsetzung neuer interaktiver Trainingsmethoden: Ein persönlicher elektronischer Schachassistent soll individuelle Schwächen von Schachspielern auf unterschiedlichem Niveau durch gezieltes Training  beheben und sie damit auf ihrem Weg zum Schachprofi unterstützen.

„Ceege“ läuft über drei Jahre bis Februar 2019. Der Projektname steht für: Chess Expertise from Eye Gaze and Emotion (Schach-Expertise auf Grundlage von Augenbewegungen und Emotionen). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der französische Forschungsförderer „Agence Nationale de la Recherche“ (ANR) unterstützen das Projekt.

Weitere Informationen im Internet:
Warum Schach-Profis gewinnen: https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/warum_schach_profis_gewinnen

Kontakt:
Dr. Kai Essig, Universität Bielefeld
Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC)
Telefon: 0521 106-6057
E-Mail: kai.essig@uni-bielefeld.de