„Ohne Feedback können Menschen nur mühsam kommunizieren“

Drei Fragen an Dr.-Ing. Hendrik Buschmeier, wissenschaftlicher Mitarbeiter am CITEC

Eine große Frage beschäftigt den Informatiker Dr.-Ing. Hendrik Buschmeier und die bezieht sich erst einmal nicht auf Maschinen. Sie lautet: Wie funktioniert menschliche Kommunikation? Seit zehn Jahren forscht Buschmeier am Exzellenzcluster CITEC. Er arbeitet in der Forschungsgruppe „Kognitive Systeme und soziale Interaktion“, die von Professor Dr.-Ing. Stefan Kopp geleitet wird. In seiner im vergangenen Jahr abgeschlossenen Promotion hat sich Buschmeier vor allem mit kommunikativem Feedback beschäftigt. Für einen Teil seiner Forschungsergebnisse hat er nun auf der Konferenz AAMAS in Stockholm einen Best-Paper-Award erhalten.

Dr.-Ing. Hendrik Buschmeier, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Exzellenzcluster CITECHerr Buschmeier, was fasziniert Sie als Informatiker an menschlicher Kommunikation?
Wenn ich Ihnen von meinem Forschungsgebiet erzähle, wissen Sie vielleicht am Anfang noch nicht viel. Je mehr wir sprechen, desto mehr können Sie nachvollziehen. Ist das nicht erstaunlich, was hier alles passiert? Eine reibungslose Kommunikation funktioniert zum Beispiel nur, weil wir im Gespräch der anderen Person Feedback geben. Ein Nicken, eine verbale Bestätigung oder auch ein verwirrter Gesichtsausdruck. Diese Signale sind auch für mich als Sprecher wichtig, um eine Geschichte überhaupt erzählen oder eine effektive Erklärung geben zu können und mich nicht zu verzetteln. Das alles passiert ganz automatisch und ist eine großartige Leistung, wie ich finde. Ohne Feedback können Menschen nur sehr mühsam kommunizieren. Eine Maschine kann zurzeit nur schwer zuordnen, was ein Ausdruck in einer bestimmten kommunikativen Situation bedeutet. Aber auch hier kann es von Vorteil sein, wenn Maschinen auf kleine Rückmeldungen von uns Menschen reagieren und zum Beispiel Erklärungen individuell anpassen können.

Sie haben auf der Konferenz AAMAS, einer angesehenen Konferenz im Bereich autonome Agenten, den Best-Paper-Award in der Rubrik „Socially Interactive Agents“ erhalten. Worum geht es in der von Ihnen beschriebenen Studie?  
In dem Artikel stelle ich dar, wie Feedback in Dialogen mit aufmerksamen konversationalen Agenten funktionieren kann. Konversationale Agenten sind künstliche handlungsfähige Systeme, wie beispielsweise Alexa oder Siri oder aber auch soziale Roboter, die in natürlicher Sprache mit ihren Nutzenden interagieren können. Ich habe für meine Untersuchung einen Agenten entwickelt, der Feedback verarbeiten kann. Das ist gar nicht so einfach, denn ein „hm“ kann je nach Kontext eine unterschiedliche Bedeutung haben. Ein künstlicher Agent wird nie so robust interpretieren können wie wir Menschen das tun. Unser Agent – wir arbeiten am CITEC mit dem virtuellen Agenten Billie – kann zu einem gewissen Grad unterschiedliche Signale situationsbezogen deuten, zum Beispiel ob das Gesagte verstanden oder ein Termin abgelehnt wurde. In unserer Studie haben wir untersucht, ob die Nutzenden merken, ob der Agent aufmerksam ist und wie sie das bewerten. Dafür haben wir drei Agenten verwendet – einer hat sich gar nicht individuell eingestellt, einer hat sich explizit jedes Mal abgesichert, ob das Gesagte verstanden wurde, und einer hat auf Feedback-Signale wie Kopfnicken reagiert. Dabei hat sich gezeigt, dass der Agent, der Feedback-Signale interpretieren konnte, von den Teilnehmenden als aufmerksamer Sprecher wahrgenommen wurde. Hier hatten die Probanden das Gefühl, dass die Maschine ein Interesse daran hat, dass das Gesagte verstanden wird und geholfen hat Verstehensprobleme zu lösen.

Wie könnten aufmerksame Agenten unseren Alltag prägen?
Zum Beispiel stelle ich mir ein Navigationsgerät vor, das sich an die jeweiligen Nutzerlinnen und Nutzer anpasst. Im eigenen Wohngebiet müsste das Gerät dann zum Beispiel nicht mehr jede Straße ansagen. Aufmerksame Haushaltsroboter könnten sicherstellen, dass Hinweise von den Menschen auch tatsächlich verstanden wurden. Natürlich stellt sich hier aber immer auch die Frage, wie vertrauenswürdig und verlässlich so ein System dann ist. Zum Beispiel wäre hier noch zu klären, wie Maschinen Verständnisprobleme beheben können. Ich werde als nächstes dazu forschen, wie konversationale Agenten die Perspektive des Gegenübers adaptieren können, um Erklärungen auf diese Weise anzupassen.

Hendrik Buschmeier, Jahrgang 1983, hat an der Universität Bielefeld Naturwissenschaftliche Informatik mit dem Schwerpunkt Sprachverarbeitung studiert. Seit 2008 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Exzellenzcluster CITEC. Buschmeier forscht zu natürlicher Kommunikation und wie sich diese auf die Kommunikation mit Maschinen übertragen lässt.

Den Best-Paper-Award erhielt Buschmeier für seinen Artikel „Communicative listener feedback in human–agent interaction: Artificial speakers need to be attentive and adaptive“ (Kommunikative Zuhörer-Rückmeldung für die Mensch-Agenten-Kommunikation: Künstliche Sprecher müssen aufmerksam und anpassungsfähig sein). Der Award wurde in der Rubrik zu sozial interaktiven Agenten auf der AAMAS, der internationalen Konferenz zu autonomen Agenten und Multiagenten-Systemen, verliehen. Die Zusammenkunft fand vom 10. bis zum 15. Juli in Stockholm, Schweden, statt und ist die größte und einflussreichste Konferenz in dem Bereich.

Weitere Informationen:
Konferenz AAMAS: http://celweb.vuse.vanderbilt.edu/aamas18/home  

Originalveröffentlichung:
Hendrik Buschmeier, Stefan Kopp. Communicative listener feedback in human–agent interaction: Artificial speakers need to be attentive and adaptive. Proceedings of the 17th International Conference on Autonomous Agents and MultiAgent Systems, https://pub.uni-bielefeld.de/publication/2916994, erschienen am 9. Juli 2018.