Mit Software für den Beruf trainieren

Video stellt Forschungsprojekt ACT vor

Ein adaptives kognitives Training kann Menschen mit seelischen oder geistigen Einschränkungen dabei helfen, sich in ihrem beruflichen Alltag zurechtzufinden. Ein Video stellt das CITEC-Forschungsprojekt ACT (Adaptive Cognitive Training) vor. Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel kooperieren in dem Projekt mit dem Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld. Das Training kann an einem Computer absolviert werden. Zurzeit arbeiten die Wissenschaftler außerdem an einer App für das Smartphone.

Ludwig Vogel geht mit einer Auszubildenden das Programm des adaptiven kognitiven Trainings durch. Foto: CITEC/Universität Bielefeld „Wir wollen herausbekommen, wie die Kompetenzen für verschiedene Ausbildungsfelder aussehen“, sagt Professor Dr. Thomas Schack, Leiter der Forschungsgruppe Neurokognition und Bewegung – Biomechanik. „Die Person wird bei ihrem Wissensstand abgeholt und bekommt dann eine geeignete Rückmeldung, um Lernprozesse in Gang zu bringen.“ Den Wissenschaftlern geht es darum, die Fähigkeiten der einzelnen Personen zunächst korrekt einzuschätzen und dann individuell zu fördern. „Zum Beispiel erfassen wir die Gedächtnisstrukturen oder emotionalen Voraussetzungen der jeweiligen Personen“, sagt Schack. „Darauf aufbauend bekommt die Person Rückmeldungen, die genau diese Person betreffen und genau helfen, sich in eine bestimmte Entwicklung zu begeben.“

Verschiedene Auszubildende nutzen in Bildungszentren der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel das adaptive kognitive Training. Neben ihrer normalen Ausbildung bei proWerk können sie während des Trainings bestimmte Arbeitsprozesse verinnerlichen und vertiefen. Dazu sitzen die Auszubildenden an einem Computerbildschirm, auf dem sie verschiedene alltägliche Arbeits-Tätigkeiten sehen. Per Mausklick müssen sie diese Aufgaben in eine sinnvolle Reihenfolge bringen. Wenn sie Bestellungen aufnehmen, ist es wichtig, den Kunden erst zu begrüßen und zu fragen, was er möchte, statt sich umzudrehen und die Besteckschublade aufzufüllen. Die Reihenfolge einzuhalten und sich während der Arbeit nicht ablenken zu lassen, ist für Menschen mit Behinderungen oft schwierig.

„Zunächst war es überhaupt für uns eine ganz neue Studie, weil wir gar nicht wussten, ob man überhaupt die Gedächtnisstruktur bei den Teilnehmern messen kann“, sagt Ludwig Vogel, Mitarbeiter in Schacks Forschungsgruppe. „Durch eine Pilotstudie haben wir herausgefunden, dass Gedächtnisstrukturen sichtbar gemacht und Fehler identifiziert werden können.“ Mithilfe der bereits als Prototyp vorliegenden App können die Auszubildenen wann und wo sie möchten trainieren und so ihre Fähigkeiten stetig ausbauen.

Das Training hilft auch den Ausbildern. „Wir können im Lernverlauf gucken, ob sich die Gedächtnisstruktur verändert und an welchen Stellen wir jetzt als nächstes arbeiten müssen“, sagt Vogel. „Dieses Feedback kann ich dann auch den Ausbildern zur Verfügung stellen und die können darauf explizit bei den Teilnehmern achten.“ So können bestimmte Lernschwächen bei den einzelnen Mitarbeitern ausgeglichen werden, ohne dass bei den einzelnen Arbeitsschritten Zeit verloren geht.

In Zukunft soll die App um einen virtuellen Avatar ergänzt werden, sodass das Feedback noch schneller aufgenommen wird und das Training dadurch effektiver wird.

Weitere Informationen im Internet

Kontakt:

Prof. Dr. Thomas Schack, Universität Bielefeld
Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC)
Telefon: 0521 106-5127
E-Mail: thomas.schack@uni-bielefeld.de

Ludwig Vogel, Universität Bielefeld Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC)
Telefon: 0521 106-5131
E-Mail: ludwig.vogel@uni-bielefeld.de