Mit den Augen durchs Internet navigieren

CITEC-Forscher erreichen ersten Platz mit blickbasiertem Internetbrowser


Wenn der Computer dem Menschen die Wünsche von den Augen abliest: Eine am CITEC entwickelte innovative Lösung zur Bedienung eines Internet-Browsers alleine durch Blickbewegungen wurde am 21. August 2015 auf der European Conference on Eye Movements in Wien mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Ausrichter des Wettbewerbs war der international tätige und in Berlin ansässige Hersteller von Geräten zur Blickbewegungserfassung SensoMotoric Instruments.


„Der von uns entwickelte BlickBrowser erweitert den bekannten Internetbrowser Firefox und lässt den Nutzer gängige Aktionen wie Scrollen und Auswählen alleine mit den Augen ausführen.“, sagt der CITEC-Forscher Dr. Thies Pfeiffer, unter dessen Anleitung der Informatikstudent Dimitri Heil den BlickBrowser im Rahmen seiner Masterarbeit umgesetzt hat. „Der Browser erkennt, wenn man beim Lesen die letzten Zeilen auf dem Bildschirm erreicht hat und scrollt den Bildschirmausschnitt entsprechend nach. Auf neue Seiten wechselt man durch Anschauen der Links und eine kurze Bestätigungsbewegung mit dem Auge.“ Die Bestätigung kann zum Beispiel über das Verharren der Augen auf dem Link erfolgen. Oder die Auswahl wird bestätigt, indem der Nutzer kurz nach rechts in ein leeres Feld blickt.

Betreuer Dr. Thies Pfeiffer, Preisträger Dimitri Heil (mit Urkunde und Sachpreis in Form eines SMI Eyetrackers) und Betreuer Patrick Renner (v. r.). Foto: CITEC Die Interaktion des Blickbrowsers lässt sich als Plugin in den Firefox integrieren. Wenn der Nutzer einen Eyetracker besitzt, kann er dann die Software dazu nutzen, um den Browser mit seinen Augen zu bedienen. Programmierer von Webseiten können die Technologie beliebig auf ihren Seiten einbinden. Der Nutzer soll dann auswählen können auf welchen Internetseiten er den Blickbrowser verwenden möchte und welche Funktionen eingeschaltet sind. Er kann beispielsweise auch nur die Basisfunktionen Scrollen und Auswählen nutzen oder die Seite wird aufgrund seiner Blickbewegungen individuell angepasst.

„So können zum Beispiel Detailinformationen zu Bildern passend zum aktuellen Aufmerksamkeitsfokus eingeblendet werden. Die Webseite präsentiert sich dadurch aufgeräumter und kann sich besser auf die Informationsbedürfnisse der Nutzer einstellen.“, erläutert Dr. Thies Pfeiffer. „Eine ähnliche Methode kennt man schon als Mouse-Over Effekt, wenn man mit der Maus über interaktive Bedienelemente fährt und zum Beispiel Hilfsinformationen nach kurzer Zeit eingeblendet werden. Diese Möglichkeiten sind jedoch mit der Einführung moderner Multitouch-Technologien entfallen, da es dort keinen standardisierten Finger-Over-Effekt gibt. Über die Blickbewegungen kann dies nun wieder intuitiver geschehen.“

Interessant ist der BlickBrowser für Personen, die bei der Verwendung der Hände eingeschränkt sind. Menschen mit körperlichen Einschränkungen können mit der Technologie einfacher im Internet surfen. Nützlich ist die Entwicklung aber auch in bestimmten Arbeitsumfeldern: Wenn die Hände verschmutzt sind, beispielsweise in der Werkstatt oder Küche, kann der Nutzer quasi freihändig das Internet bedienen. Auch wenn die Hände steril bleiben müssen oder ein Werkstück festgehalten wird, ist der BlickBrowser hilfreich.

Weitere Informationen im Internet:

http://gazetk.eyemovementresearch.com/