Künstliche Intelligenz und was sie möglich macht

CITEC-Interaktionstechnologie in Bielefelder Uraufführung „Die Möglichkeit“

Künstliche Arme, Herzklappen oder Gehirn-Schrittmacher für Menschen sind jetzt schon Alltag. Das gilt auch für allgegenwärtige Erreichbarkeit und weltweite Vernetzung: Smartphones, Tablets und Computer werden immer effektiver und können immer mehr. Die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Aber müssen wir uns vor ihr fürchten? Wie weit sind technische Systeme tatsächlich schon? In seinem neuen Theaterstück „Die Möglichkeit“ stellt sich der Dokumentarfilmer und Regisseur Konrad Kästner derartigen Fragen. Die Produktion des Theater Bielefelds ist ein halbdokumentarisches Stück zwischen Bühne und Film. Gedreht hat Kästner unter anderem am Exzellenzcluster CITEC.

Der humanoide Roboter Nao bringt im Projekt L2Tor Kindern eine Fremdsprache bei. Foto: Universität Bielefeld/CITECFünf CITEC-Projekte hat der Regisseur Konrad Kästner für das Theaterstück „Die Möglichkeit“ gefilmt. Im Anschluss an die Vorführungen können interessiete Zuschauer mit dem Regisseur ins Gespräch kommen und Für und Wider der künstlichen Intelligenz diskutieren.

„Die Vernetzung zwischen Mensch und Maschine wird immer enger. Programme entwickeln ihre eigenen Auffassungen von Richtig und Falsch“, steht im Ankündigungstext des Theater Bielefelds. „Die Vorstellung von harten Robotern aus Eisen und Drähten ist schon lange obsolet. Maschinen werden immer menschlicher – in Form und Funktion.“ CITEC forscht an verschiedenen virtuellen Avataren, humanoiden und industriellen Robotern sowie an technischen Systemen für intelligente Wohnumgebungen. Der Cluster betreibt Grundlagenforschung der kognitiven Interaktionstechnologie, daher war eine Zusammenarbeit des Theaters mit CITEC naheliegend.

„Die Forschung der künstlichen Intelligenz ist nicht so weit fortgeschritten, dass wir befürchten müssten, dass unsere Gesellschaft von technischen System geführt werden könnte, und es ist auch gar nicht klar, ob das irgendwann der Fall sein kann“, sagt Professor Dr. Stefan Kopp, der die Forschungsgruppe Kognitive Systeme und soziale Interaktion leitet. Sein EU-Projekt L2Tor ist ebenfalls Teil des Theaterstückes. „Bedauerlicherweise gibt es durch Fernsehserien, Marketingbotschaften großer Unternehmen, aber auch einige unserer Kollegen einen Hype der künstlichen Intelligenz, der zunehmend an Bodenhaftung verliert und die differenzierteren Stimmen übertönt.“ Hier wäre laut Kopp Aufklärung angebracht. Deswegen hat CITEC die Theaterproduktion von Konrad Kästner bereitwillig unterstützt.

Kästner drehte für sein Bühnenstück in der erweiterten Realität des Locomotion Lab der Forschungsgruppe Biologische Kybernetik, in der Schauspieler Jan Sabo in die Rolle eines Androiden schlüpfte. Das Team filmte Kinder, die mit dem humanoiden Roboter Nao die englische Sprache lernten. Das Training mit dem Roboter ist Teil des EU-Projekts L2Tor. Von Floka, dem Roboter der fürsorglichen Wohnung, ließ sich Sabo eine Getränkedose reichen und schüttelte dem Roboter-Weltmeister von 2016 die Hand. Einen Schritt in die virtuelle Realität unternahm der Schauspieler, indem er sich für das Projekt ICSpace scannen ließ und ein virtueller Avatar von ihm erstellt wurde. Schließlich probierte er drei Assistenzsysteme in der mitdenkenden Forschungswohnung KogniHome aus und ließ sich dort von CITEC-Wissenschaftler Michael Adams die Prototypen erklären. Kästners Team drehte außer am CITEC auch in der Forschungs-Wohnung BAALL (Bremen Ambient Assisted Living Lab) in Bremen und an vielen weiteren Orten. So befasst er sich in den Videos unter anderem auch mit der körperlichen Optimierung des Menschen und der Gentechnik.

In seinem Stück geht es Kästner vor allem darum, einen breiten Assoziationsraum zu öffnen und dem Zuschauer damit die Möglichkeit zu geben, sich seine ganz persönlichen Gedanken zu einem sehr großen Themenfeld zu machen. Dabei stellt sich jeder wahrscheinlich ganz unterschiedliche Fragen, eine der zentralen wird jedoch sicherlich lauten: Was wollen die Menschen von der künstlichen Intelligenz – und was könnte sie von ihnen wollen.

 

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