Krankheits- und Flugdaten mit dem Gehör verstehen

Klangforscher diskutieren bei internationaler Konferenz am Exzellenzcluster CITEC 

Eine Ärztin, die hört, welche Krankheit ihre Patientin hat, oder ein Fluglotse, der hört, wenn sich zu viele Flugzeuge nähern: Neue Technik wandelt Daten in Klänge um, statt sie nur grafisch darzustellen, und macht sie so verständlicher. Um solche Klangtechnik geht es auf der Tagung „Interactive Sonification“ am Donnerstag und Freitag, 15. und 16. Dezember, im CITEC-Gebäude auf dem Campus Nord in Bielefeld. Rund 30 Forscherinnen und Forscher aus elf Ländern erproben zum Beispiel den holografischen Raum „HoloR“, entwickelt am Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie CITEC, mit dem sich Körperbewegungen aufzeichnen lassen, um sie anschließend in Form von Klängen wiederzugeben.

Dr. Thomas Hermann organisiert die Tagung zur Klangforschung. Der Neuroinformatiker leitet die CITEC-Forschungsgruppe „Ambient Intelligence“ (Umgebungsintelligenz). Foto: CITEC/Universität Bielefeld„Das Besondere am Hören ist, dass Menschen schon kleinste Veränderungen bei Klängen und Geräuschen erkennen können. Das machen wir uns in der Sonifikation zunutze, indem wir Daten verklanglichen“, sagt Dr. Thomas Hermann, Leiter der Forschungsgruppe „Ambient Intelligence“ (Umgebungsintelligenz) am CITEC. „Sonifikation und akustische Benutzerschnittstellen etablieren sich mehr und mehr als Technologie, um Daten zu durchforsten und komplexe Vorgänge zu überwachen“, berichtet Hermann. Der Klangforscher organisiert die fünfte Auflage der Konferenz, die nach ihrem Start 2004 in Bielefeld in den Vorjahren in York (Großbritannien), Stockholm (Schweden) und Erlangen zu Gast war.

Der Psychologe Professor Dr. Tobias Heed hält am Freitag den Hauptvortrag der Tagung. Heed forscht seit September 2016 am CITEC. In seinem Vortrag berichtet er, wie Menschen mit ihren Sinnen den Raum um sich wahrnehmen. Hör-, Tast- und Sehsinn liefern dem Gehirn oftmals gegensätzliche Informationen von der jeweiligen Situation. Trotz dieser Widersprüche, gelingt es Menschen ihre Umgebung einheitlich wahrzunehmen – das Gehirn verbindet die Sinnesreize und gewichtet sie. Anhand eigener Befunde zeigt Heed, welche Konsequenzen das für den Einsatz von Sonifikation hat.

Die Klangforscherinnen und -forscher stellen in Vorträgen und in einer Poster-Session insgesamt 15 Projekte zur Sonifikation vor. Die CITEC-Forscherin Andrea Aldana, Dr. Thomas Hermann und der Kardiologe Dr. Steffen Grautoff stellen in ihrem Beitrag ein Sonifikationssystem vor, das helfen soll, drohende Herzinfarkte zu diagnostizieren. Das System wurde in Kooperation mit dem Klinikum Herford entwickelt. In einem weiteren Vortrag zeigt der CITEC-Forscher Jan Hammerschmidt gemeinsam mit Thomas Hermann, wie interaktive Sonifikation beim Autofahren auf angenehme Art das Einhalten von Geschwindigkeitsbegrenzungen unterstützen kann. Erneut um eine medizinische Anwendung geht es in dem Beitrag von Wissenschaftlern des Instituts für Elektronische Musik und Akustik in Graz (Österreich). Sie zeigen, wie Akustik helfen kann, Tremor-Krankheiten voneinander zu unterscheiden. Dieses Muskelzittern kann zum Beispiel die Parkinson-Krankheit oder auch Schilddrüsenstörungen als Ursache haben. Wissenschaftler der staatlichen Forschungsorganisation AIST (Japan) stellen vor, wie sich seismische Daten zur Erdbebenerkennung in Töne umsetzen lassen und welche Vorteile das hat. Wie Klangdaten helfen können, den Luftverkehr zu überwachen, erklärt ein Forschungsteam der Universität Linköping (Schweden).

Weitere Informationen im Internet: 
Website der Tagung: http://interactive-sonification.org/ISon2016
Durch Daten-Sound mehr Schub beim Schwimmen (Pressemitteilung vom 4.8.2016): http://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/durch_daten_sound_mehr_schub

Kontakt:
Dr. Thomas Hermann, Universität Bielefeld
Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC)
Telefon: 0521 106- 12140
E-Mail: thermann@techfak.uni-bielefeld.d