CITEC-Forscherin beim Girls Day der Tokyo City Universität in Japan

Nachwuchswissenschaftler diskutieren über die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Familie

So verschieden das deutsche und das japanische Bildungs- und Wissenschaftssystem sind, in einer Hinsicht sind sie sich sehr ähnlich: In beiden Ländern trifft man in Forschung und Wissenschaft nur auf wenige Frauen. Zwar machen noch ungefähr gleich viele Studierende in beiden Ländern einen Universitätsabschluss, doch nach der Promotion nimmt der Anteil der Frauen von Karrierestufe zu Karrierestufe kontinuierlich und deutlich ab.

Friederike Eyssel referiert vor 30 japanischen Interessierten. Foto: DFG JapanUm Schülerinnen und Studentinnen für eine universitäre Karriere in Forschung und Lehre – beispielsweise im MINT-Bereich – zu begeistern, veranstaltete die Tokyo City Universität am 6. August einen Girls Day. Juniorprofessorin Dr. Friederike Eyssel vom Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld und Myra Bauersachs vom Büro der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Japan referierten dort über ihre Erfahrungen in Wissenschaft und Forschung. Ihr Publikum bestand aus rund 30 Schülerinnen und Schülern, Studierenden und Forschenden.

Die Teilnehmer diskutierten gemeinsam mit den Veranstaltern, wie man in der eigenen Lebensplanung eine wissenschaftliche Karriere mit Familie vereinbaren kann und welche Rahmenbedingungen und Unterstützung Frauen und Männer hierbei brauchen.

In Deutschland finden jedes Jahr an Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Forschungsinstituten Girls-Day-Veranstaltungen für Schülerinnen statt. Auch in Japan veranstalten Universitäten und Forschungseinrichtungen solche Tage. Denn beide Länder sind als hochtechnisierte Industrienationen auf gut ausgebildete Fachkräfte, Forscherinnen und Forscher sowie Entwicklerinnen und Entwickler insbesondere im MINT-Bereich angewiesen. Sie setzen daher darauf, mehr Mädchen und Frauen für ein Studium oder eine Ausbildung in einem technischen Beruf zu gewinnen. So versuchen sie auch im Hinblick auf den demografischen Wandel den Talentepool zu vergrößern.

Friederike Eyssel vermittelte den Teilnehmenden, wie wichtig internationale Netzwerke für eine erfolgreiche Karriere in der Wissenschaft sind. Damit traf sie bei den japanischen Zuhörern einen Nerv. Denn japanische Wissenschaftler sind sehr bemüht, Nachwuchskräfte zu mehr Offenheit für einen Aufenthalt im Ausland zu bewegen. Als Leiterin der CITEC-Forschungsgruppe „Gender, Emotion und Kognitive Interaktionstechnologie“ ist Friederike Eyssel selber häufig im Ausland tätig, da sie seit mehreren Jahren mit der Universität Osaka kooperiert und regelmäßig in Japan forscht. Derzeit ist sie Gastprofessorin an der New York University in Abu Dhabi.