Am Klang die Größe von Objekten erkennen

Die menschlichen Sinne sind enger miteinander verknüpft als bislang bekannt. Das hat der Psychologe Dr. Cesare Parise vom Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld in seiner Doktorarbeit bewiesen. Er hat untersucht, wie das Gehirn Signale aus verschiedenen Sinneskanälen abgleicht, damit Menschen einen korrekten Eindruck ihrer Umwelt bekommen. Eine Entdeckung: Optisch große Gegenstände werden mit dumpfen Tönen verknüpft – optisch kleine Objekte werden mit hellen Tönen assoziiert. Mit diesen Erkenntnissen lassen sich zum Beispiel Hilfsgeräte für Menschen bauen, bei denen ein Sinn beeinträchtigt ist. Jetzt ist der aus Italien stammende Forscher für seine Studie ausgezeichnet worden. Die Italienische Gesellschaft für Psychologie (Associazione Italiana di Psicologia) würdigt Parises Untersuchung als beste italienische Dissertation in experimenteller Psychologie des Jahres 2012.

Das Gehirn verarbeitet zahlreiche Sinneswahrnehmungen – vom Hören und Sehen bis hin zu Tastempfindungen und Geschmack. Um die Umwelt möglichst genau wahrzunehmen, verbindet das Gehirn fortwährend Informationen aus zwei oder mehr dieser Sinneskanäle. Dafür muss das Gehirn aber entscheiden, welche Informationen aus verschiedenen Kanälen überhaupt zusammengehören – also dieselbe Quelle haben – und welche nichts miteinander zu tun haben. „Ich befasse mich damit, welche Merkmale von Sinnesreizen das Gehirn nutzt, um zu entscheiden, ob sie aus derselben Quelle kommen und kombiniert werden können“, erklärt Parise. Er hat mit seinen Analysen belegt, wie das Gehirn prüft, ob Signale miteinander vereinbar sind.

Parises Untersuchung ist Grundlagenforschung und liefert die Basis für die Entwicklung neuartiger Hilfssysteme. Diese könnten beispielsweise blinden Menschen ermöglichen, die Beschaffenheit eines Gegenstands wahrzunehmen.

Cesare Parise hat seine Dissertation unter Betreuung von Professor Dr. Charles Spence PhD (University of Oxford) und von Professor Dr. Marc Ernst (Universität Bielefeld) geschrieben. Beide Gutachter lobten die Doktorarbeit wegen ihrer herausragenden Bedeutung für die Forschung, wegen ihres Einfallsreichtums, ihres Stils und ihrer wissenschaftlichen Qualität. Seit 2011 arbeitet Parise im der Forschungsgruppe Kognitive Neurowissenschaften am Exzellenzcluster CITEC. Außerdem forscht er am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen.

Kontakt:
Dr. Cesare Parise, Universität Bielefeld
Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC)
Telefon: 0521 106-5703
E-Mail: cesare.parise@uni-bielefeld.de