Gastvortrag: Kathrin Müsch

Lecture
Datum: 
07. Januar 2016
Beginn: 
16:15
Raum: 
Hauptgebäude, T2-228
Einflüsse von bottom-up und top-down Prozessen in affektiven und semantischen Hirnnetzwerken

Unsere Wahrnehmung und unser Handeln werden maßgeblich durch die Balance äußere Reize und innere Prozesse geprägt. In meiner Forschung untersuche ich wie sogenannte bottom-up und top-down Prozesse um Verarbeitungsressourcen konkurrieren und unter welchen Umständen bottom-up bzw. top-down Prozesse Wahrnehmung und Handlungen dominieren. In allen Studien habe ich Zeit-Frequenz-Analysen zur Untersuchung der Hirnaktivität genutzt. Im ersten Teil des Vortrags stelle ich Ergebnisse zum Wettbewerb von aufgabenrelevanter und emotionaler Information (Gesichtsausdrücke) vor. Dazu wurden intrakranielle EEG Ableitungen in gesichtsverarbeitenden Arealen des menschlichen Gehirns durchgeführt. Entgegen der Annahme, dass emotionale Information automatisch verarbeitet wird, wurde neuronale Aktivität stärker durch top-down Prozesse als bottom-up Eigenschaften moduliert. Der zweite Teil des Vortrags behandelt semantische Netzwerke, die für die Interaktion von bottom-up und top-down Prozessen bei der Sprachverarbeitung relevant sind. Sprachverarbeitung erfordert die Integration des Perzepts (bottom-up) mit vorhandenem semantischen Wissen (top-down). Mithilfe von MEG konnten wir zeigen, dass die Integration semantischer Information mit Aktivität in verschiedenen Frequenzbändern und unterschiedlicher Verarbeitung im Temporalpol, einem semantischen Knotenpunkt, assoziiert ist. Schließlich werde ich vorläufige Ergebnisse einer ECoG Studie vorstellen, in der ich untersuche, wie der Informationsfluss über verschiedene Stufen der Sprachverarbeitung – von Wahrnehmung bis zur Wiedergabe – in den entsprechenden Hirnregionen von top-down Prozessen moduliert wird. Dabei scheint der dorsale (Prä-)Motorkortex in allen Stufen der Sprachverarbeitung eine wichtige Kontrollfunktion auszuüben. Die drei Studien zeigen, dass top-down Kontrollprozesse auf mehreren Ebenen in die bottom-up Verarbeitung eingreifen, was sich in unterschiedlichen Hirnregionen manifestiert.